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Winterwandern in Mannheim

Mannheims Natur- und Landschaftsschutzgebiete laden auch im Winter zu Spaziergängen und Wanderungen ein. Aktuell natürlich nur allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts – dafür aber mit allen Sinnen!

Das Stephanienufer ist benannt nach der Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais.
Das Stephanienufer ist benannt nach der Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais. © Stadtmarketing Mannheim GmbH, Timo Volz

Bewegung an der frischen Luft tut in der dunklen Jahreszeit besonders gut – und seit kurzem ist der Herzogenriedpark als Anlaufstelle hierfür wieder geöffnet. Die beliebte Grünanlage in der Neckarstadt ist aktuell kostenfrei zugänglich und soll mit ihren Freiflächen und Spielplätzen vor allem Familien entlasten. Wer abseits ausgetretener Pfade Neues entdecken will, der sollte das Stephanienufer, die belebte Flanierpromenade am Rhein links liegen lassen und Richtung Waldpark flussaufwärts zu Fuß weitergehen. Keine zehn Minuten später, wo der Altrheinarm Bellenkrappen ansetzt und kurz vor dem Mannheimer Strandbad das Naturschutzgebiet Reißinsel beginnt, eröffnet sich eine ursprüngliche Welt. Willkommen in einem fast dschungelartigen Auwald, rund 200 Hektar groß, einem der wichtigsten Vogelbrutplätze des Rheingrabens. Von März bis Juni ist die Reißinsel für Besucher gesperrt, denn dann wollen rund 60 Vogelarten beim Turteln und Nisten nicht gestört werden. Im Winter jedoch lässt sich die Reißinsel auf einem Rundweg erwandern.

Auf der Reißinsel befindet sich die größte zusammenhängende Streuobstwiese der Oberrheinebene.
Auf der Reißinsel befindet sich die größte zusammenhängende Streuobstwiese der Oberrheinebene. © Stadtmarketing Mannheim GmbH, Christoph Düpper

Carl Reiß, dem früheren Generalkonsul und Ehrenbürger der Stadt (1843-1914), haben wir dieses Erlebnis zu verdanken. Er hatte die seinerzeit Fasaneninsel genannte Halbinsel erworben und 1911 der Stadt Mannheim vererbt – unter einer Bedingung: „Die Insel ist möglichst in dem jetzigen Zustand zu erhalten und der öffentlichen, allgemeinen Benützung unentgeltlich zu übergeben. Die Insel soll auf ewige Zeiten erhalten bleiben und den Einwohnern meiner Vaterstadt zur Erholung dienen.“

So kommt es, dass das 1950 zum Naturschutzgebiet erklärte Areal heute ein beliebter Rückzugsort nicht nur für Eisvögel, Schwarzmilane oder Steinkauze ist – sondern auch für Menschen, die unberührte Natur zu schätzen wissen. Der nördliche Teil der Reißinsel ist echter Urwald und als „Bannwald“ geschützt. Einen spannenden Kontrast dazu bietet eine weitläufige Streuobstwiese mit seltenen Apfelbaumsorten. Und auch eine besondere Attraktion ist hier zu finden: Der vom Aussterben bedrohte „Wilde Wein“ – die Urform der heutigen Weinrebe.

Mit seinem weitläufigen, verzweigten Wegenetz ist der Käfertaler Wald der perfekte Ort zum Wandern.
Mit seinem weitläufigen, verzweigten Wegenetz ist der Käfertaler Wald der perfekte Ort zum Wandern. © freepik.com, karlyukav

Auch am anderen Ende der Stadt locken einsame Winterwanderungen. Der Käfertaler Wald ist beliebt, doch auch hier gilt: Wer nicht den altbekannten Spuren folgt, wird Neuland entdecken. Unser Tipp: Wenn die Wintersonne durch die Bäume blinzelt, mal nicht den acht Rundwanderwegen folgen, die vom Karlstern aus strahlenförmig in den Wald ziehen. Stattdessen den vielen unmarkierten Wegen und Pfaden nachgehen, die sich in Richtung Norden eröffnen. Im ehemaligen „Panzerwald“ warten interessante Perspektiven: Jahrzehntelang nutzten die US-Streitkräfte den Wald aus Truppenübungsplatz. Die ehemals gerodeten Flächen haben sich zu einer heideartigen Landschaft entwickelt, durchzogen von Sanddünen und Kieferbeständen. Wenn nicht der Ausblick zu den Gipfeln des nahen Odenwaldes wäre – Mannheim erinnert hier an die Dünenzüge an der französischen Atlantikküste. Und so eine kleine gefühlte Fernreise in der eigenen Stadt – das ist zu Corona-Zeiten schon ein besonderes Erlebnis.

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