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Frühling in Mannheim

Der Frühling ist da, die Natur erwacht – daran kann auch das Coronavirus nichts ändern. Sicher hat die Pandemie unser Leben verändert. Sie zwingt uns zur Distanz, aber sie lehrt uns auch, die Natur um uns herum zu entdecken. Hier sind unsere Tipps für Spaziergänge und Wanderungen zu den grünen Lungen Mannheims. Natürlich nur allein oder zu zweit – aber mit allen Sinnen!

Das Stephanienufer wurde nach Stéphanie de Beauharnais, Großherzogin von Baden, benannt.
Das Stephanienufer wurde nach Stéphanie de Beauharnais, Großherzogin von Baden, benannt. © Timo Volz, Stadtmarketing Mannheim GmbH

Bewegung an der frischen Luft tut gut und abseits ausgetretener Pfade kann man viel Neues entdecken. Also einfach mal in den Mannheimer Süden starten und staunen: Wer das Stephanienufer, die belebte Flanierpromenade am Rhein, links liegen lässt und Richtung Waldpark flussaufwärts weitergeht, wird keine zehn Minuten später ziemlich alleine sein. Wo der Altrheinarm Bellenkrappen ansetzt und das Naturschutzgebiet Reißinsel beginnt, beginnt auch eine ursprüngliche Welt. Der dschungelartige Auwald, mehrere Hundert Hektar groß, ist einer der wichtigsten Vogelbrutplätze des Rheingrabens. Im geschützten Bannwald turteln und nisten 60 Vogelarten. Deshalb darf die Reißinsel jedes Jahr erst ab dem 1. Juli auf stillen Wegen erkundet werden.

Der Waldpark erstreckt sich entlang des östlichen Rheinufers.
Der Waldpark erstreckt sich entlang des östlichen Rheinufers. © Stadtmarketing Mannheim GmbH

Macht aber nichts – denn Mannheim hat ja den Waldpark! Auch dieser Auwald hat die tulla’sche Rheinbegradigung vor rund 200 Jahren unversehrt überstanden und wird vom Rheinhochwasser regelmäßig überschwemmt. Das Ergebnis: ein sattgrüner Mischwald mit Pappeln und Silber-Weiden, mächtigen Hainbuchen, Stieleichen, Eschen und im Frühling durchzogen vom markanten Duft des sprießenden Bärlauchs. So unüberschaubar dieses Biotop auf den ersten Blick scheint: eine fast verwirrende Zahl von Wegen und schmalen Pfaden durchzieht das Landschaftsschutzgebiet in Richtung Süden.  

Wer Ausdauer hat, kann hier kilometerweit laufen. Man wird nur vereinzelten Joggern, Spaziergängern und Radfahrern begegnen und kann einen landschaftlich reizvollen Mix genießen: Wald, Wasser, und weitläufige Wiesen mit einer verblüffenden Artenvielfalt. Wer will, kann den Park auch auf der Krone des Rheindeichs durchwandern – bis zum Flusskilometer 417, wo erst das Großkraftwerk in die urbane Wirklichkeit zurückholt.

Versteckt im Käfertaler Wald liegt ein ehemaliger Truppenübungsplatz der amerikanischen Streitkräfte.
Versteckt im Käfertaler Wald liegt ein ehemaliger Truppenübungsplatz der amerikanischen Streitkräfte. © Manfred Ofer

Noch einsamer lässt sich eine Frühlingswanderung in Richtung Norden gestalten. Der Käfertaler Wald ist wohl auch in Coronazeiten noch der meistbesuchte stadtnahe Wald in Baden-Württemberg. Doch auch hier gilt: Wer nicht den altbekannten Spuren folgt, wird Neuland entdecken.

Unser Tipp: Wenn die Frühlingssonne durch frisch knospende Bäume blinzelt, mal nicht den acht Rundwanderwegen folgen, die vom Karlstern aus strahlenförmig in den Wald ziehen. Stattdessen einfach dem Gefühl und den vielen unmarkierten Wegen und Pfaden folgen, die sich in Richtung Norden erstrecken. Schon nach wenigen Minuten eröffnen sich im ehemaligen „Panzerwald“ neue Perspektiven: Jahrzehntelang nutzten die amerikanischen Streitkräfte den Wald als Truppenübungsplatz. Die damals gerodeten Flächen haben sich zu einer offenen, heiter-sonnigen heideartigen Landschaft entwickelt, durchzogen von Sanddünen und inselartigen Kieferbeständen. Mannheim fühlt sich hier an wie ein Kurort an der französischen Atlantikküste.

Die Maulbeerinsel im Neckar ist heute ein Naturschutzgebiet.
Die Maulbeerinsel im Neckar ist heute ein Naturschutzgebiet. © Bernhard Kunz, Stadtmarketing Mannheim GmbH

Mannheim liegt in der oberrheinischen Tiefebene. Die höchste Mannheimer Erhebung ist dementsprechend auch nur 114 Meter hoch. Die Sanddüne im Unteren Dossenwald bei Mannheim-Rheinau ist perfekt für eine Solo-Besteigung an einem schönen Frühlingstag. Am höchsten Punkt zwischen Eichhörnchenweg und Kaninchenweg hat ein Steinmetz einen Gipfelstein installiert und der Ausblick ist – für lokale Verhältnisse – sehr erhebend.

Und dann ist da noch ein anderer besonderer, wenig besuchter Mannheimer Ort, der speziell im Frühling besuchenswert ist: das Naturschutzgebiet Maulbeerinsel zwischen Neckarkanal und Altneckar. Anknüpfend an einen Plan der Kurfürsten gründete Großherzogin Stephanie von Baden hier eine Maulbeerbaum-Plantage zur Seidenraupenzucht. Mannheim ist zwar kein Zentrum der Seidenherstellung geworden, aber die Maulbeere erinnert hier tröstend daran, dass die Mannheimer Natur schon so manche Krise überdauert hat.

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