MannheimSignet

feiert die Fotografie

Ein großes Frühlingsfest der Bilder

Längst wird Mannheim auch überregional als Fotostadt wahrgenommen. In keiner anderen Stadt in Baden-Württemberg gibt es eine so große Vielfalt an Museen, Galerien und Kulturorten, die regelmäßig Fotografie ausstellen. Vom 29. Februar bis 26. April findet die Biennale für aktuelle Fotografie, das größte kuratierte Fotoereignis Deutschlands, in Mannheim statt. Ergänzend dazu präsentiert sich die engagierte freie Szene vom 17. April bis 31. Mai bei OFF//FOTO 2020.

Walker Evans, Porträt von 1937
Walker Evans, Porträt von 1937

Knapp ein Jahrhundert nach Erfindung der Fotografie eröffnete 1938 im Museum of Modern Art in New York die erste Ausstellung eines einzelnen Fotografen. Der Künstler, der vielen Fotograf*innen bis heute ein Vorbild ist, hieß Walker Evans. Ihn stellt der britische Kurator David Campany nun in den Mittelpunkt der Biennale für aktuelle Fotografie, die am 28. Februar in sechs Ausstellungshäusern in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg startet.

Neu an den Bildern von Walker Evans war, dass er sie zu unterschiedlichen Zwecken verwendete. Ein Foto von ihm konnte ebenso zur Bebilderung eines Artikels in einem Wirtschaftsmagazin dienen wie Teil einer freien künstlerischen Arbeit sein. Walker Evans war zugleich Fotograf, Redakteur, Künstler und Designer. Wenn er ein Foto einsetzte, bestimmte er selbst, wie und wo es eingesetzt wurde. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich Bilder dank der digitalen Technik rasend schnell verbreiten, ist Kontrolle höchst wichtig.

Martin Luther King Day Parade, aus der Serie Americans Parade, Los Angeles, California, 18/01/2016
Martin Luther King Day Parade, aus der Serie Americans Parade, Los Angeles, California, 18/01/2016 © George Georgiou

Die Biennale-Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim zeigt sowohl Bilder, die in der Tradition von Walker Evans stehen, als auch Projekte, die sich mit dem Werk des Fotografen auseinandersetzen.

In den Reiss-Engelhorn-Museen geht es hingegen darum, wie Bilder zu Ikonen werden. Nur wenigen der Milliarden von Fotos gelingt es, sich in das kollektive Gedächtnis einzuschreiben. Oft handelt es sich um historische Bilder, in denen sich ein Ereignis verdichtet, etwa der Kniefall von Willi Brandt oder der Einsturz des World Trade Centers. Manche Künstler*innen der Ausstellung kehrten zurück an Entstehungsorte ikonischer Bilder, andere rekonstruierten sie oder verfolgten ihren Weg durch die Zeiten und Medien. 

Im Port25 werden Künstler, deren Bilder kommerziell genutzt werden und Fotograf*innen, deren Bilder auch in Kunstausstellungen zu sehen sind, vorgestellt. Darüber hinaus gibt es Fotograf*innen, die gleichzeitig in den Bereichen Dokumentation, Reklame, Porträt, Mode, Wissenschaft und Kunst tätig sind. Längst sind die Grenzen in der Fotografie fließend.

On the road – eine fotografische Reise
On the road – eine fotografische Reise © Alexander Ehhalt

Eine hervorragende Ergänzung zur Biennale ist OFF//FOTO 2020. Bereits zum vierten Mal präsentiert sich das Fotofestival als große Wundertüte. Insgesamt 57 Ausstellungen in der Region versprechen eine große technische, motivische und stilistische Vielfalt. Neben bekannten Galerien und Ausstellungsorten stellt das Festival immer wieder neue Orte vor. Beispielsweise zeigt Marco Vedana die beinahe leeren Säle im Barockschloss Mannheim, als das historische Gebäude mit neuer Klimatechnik ausgestattet wurde.

Das gemeinsame Workshop-Programm von Biennale und OFF//FOTO vermittelt Fotokenntnisse in Praxis und Theorie. Bekannte Referent*innen sind unter anderem Horst Hamann, Kim Behm und Andrea Diefenbach. Darüber hinaus organisieren die beiden Fotofestivals am 18.04.2020 die publikumsstarke Lange Nacht der Fotografie mit zahlreichen Vernissagen und Führungen. Ein Fest der Bilder!

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