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Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Deutschland muss mit der Entwicklung Schritt halten

6. November 2017 | Manufaktur

Prof. Dr. Florian Stahl referierte beim Marketing-Café des Stadtmarketings zum Thema „Künstliche Intelligenz“
Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ hat die Science-Fiction-Drehbücher verlassen, heute ist er längst in der Realität angekommen. Weniger in Deutschland und Europa, umso mehr in den USA und Asien. Diese Meinung vertritt Prof. Florian Stahl, der zum zweiten Mal Gast beim Marketing-Café der Stadtmarketing Mannheim GmbH war und über „Künstliche Intelligenz: Hype oder Revolution?“ referierte. Der Inhaber des Lehrstuhls für Quantitatives Marketing an der Mannheimer Fakultät für Betriebswirtschaftslehre und Experte für Konsumentenverhalten sprach Montagabend in der „Manufaktur“ in der Industriestraße vor einer überaus interessierten Zuhörerschaft, die ihn mit Fragen geradezu löcherte. Was ist dran am Hype um das sogenannte „Machine Learning System“? Wird Künstliche Intelligenz das Marketing und die Werbung langfristig verändern? Welche Chancen ergeben sich durch die neue Technik, die das Leben angeblich erleichtern soll? Und welche Gefahren? Eindeutige Antworten gibt es nicht, machte Florian Stahl deutlich, der diesen „Hype“ beobachtet und davon ausgeht, dass er in ein paar Jahren abflachen, sich aber dann doch langfristig etablieren wird wie der E-Commerce.

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Trend kommt aus USA und China
„Die Entwickler an der Westküste der USA und in China dominieren diesen Trend, Europa und Deutschland hinken weit hinter her“, machte der Experte von der Universität Mannheim deutlich. Die Großen wie Amazon, Apple, Google, Netflix oder Facebook arbeiten daran, die „Maschinen“ immer schlauer zu machen. Google weiß, welche Präferenzen die im Internet kaufenden Kunden haben, für welche Restaurants sie sich in der Vergangenheit interessiert haben, wohin sie gerne reisen. Und bei der nächsten Suche im Internet werden Vorschläge gemacht, was für die potenziellen Kunden auch noch interessant sein könnte. Netflix stellt personalisierte Programmangebote zusammen, Konzerne verschicken dynamische E-Mails, um auf neue Produkte hinzuweisen. Das alles wird möglich, weil Algorithmen immer mehr dazu lernen. „Die sind noch lange nicht optimal, werden aber besser, und das immer schneller“, so Florian Stahl, der in seinem Vortrag auch Vor- und Nachteile solcher Kommunikationsstränge ansprach.

Optimierte Kundenansprache möglich
Hinter dieser neuen Form der Werbung steckt das Ziel, Märkte zu erschließen, Kunden zu gewinnen und sie möglichst zu halten. Die Bequemlichkeit der Menschen spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn sie sind offen für Angebote, die ihnen das Leben erleichtern. Wer fährt heute nicht lieber mit dem Navi in eine fremde Stadt, als herumzuirren. Oder wer drückt nicht lieber auf die eingespeicherte Nummer im Smartphone, als lange zu suchen. „Früher kannte ich dutzendweise Telefonnummern auswendig, heute nicht mehr“, berichtete Stahl schmunzelnd über seine eigene Bequemlichkeit. Der intelligente Kühlschrank, der sagt, dass die Milch fehlt, die Lieferung von Amazon, die in zwei Stunden da ist, weil das mittels „Anticipating Shipping“ heute schon möglich ist. In China wird daran gearbeitet, Fluggäste künftig durch Gesichtserkennung zu registrieren, das macht lange Warteschlangen am Zoll überflüssig. Dass Roboter Reinigungsdienste in Kliniken übernehmen und alten Menschen Gesellschaft leisten, auch das keine Utopie mehr. In welche Richtung sich Künstliche Intelligenz entwickeln wird und welche Auswirkungen das auf das soziale Umfeld haben wird, darüber könne man nur spekulieren, so Florian Stahl. Aber er ist sich sicher: „Es wird Jobs kosten“. In den USA wird heute schon jeder zweite Anruf bei Hotlines von Maschinen beantwortet, bald werden es neunzig Prozent sein. Professor Stahl kritisierte, dass sich keine einzige politische Partei in Deutschland mit dem Thema Künstliche Intelligenz und ihren Folgen beschäftigt. Seine Prognose: „Der Verdrängungswettbewerb wird stärker, die Großen bestimmen, wer verkauft und wer keine Überlebenschancen auf dem Markt hat.“ Dennoch sei es nicht zu spät, um auch in Deutschland mit der Entwicklung Schritt zu halten. Durch Spezialisierung, beispielsweise in der Medizintechnologie.

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