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11 Japanese Artists 2018

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Die Ausstellung, die Sie heute hier in der Mannheimer Galerie Böhner im Signal-Iduna-Busisness Tower sehen, knüpft an die bereits vor einem Jahr gezeigte Auswahl von Kunstwerken aus Japan an. Manches davon wird den Stammbesuchern dabei sicher vertraut vorkommen, weil ähnliche Arbeiten von einigen Künstlern hier schon zu sehen waren. Insgesamt betrachtet, hält sich bei der aktuellen Auswahl...

Die Ausstellung, die Sie heute hier in der Mannheimer Galerie Böhner im Signal-Iduna-Busisness Tower sehen, knüpft an die bereits vor einem Jahr gezeigte Auswahl von Kunstwerken aus Japan an. Manches davon wird den Stammbesuchern dabei sicher vertraut vorkommen, weil ähnliche Arbeiten von einigen Künstlern hier schon zu sehen waren. Insgesamt betrachtet, hält sich bei der aktuellen Auswahl die Mischung von eindeutig japanischen Sujets und international beeinflussten Werken die Waage.

Wobei Japan, obwohl die enge Verbundenheit zur eigenen Kultur und Tradition noch viel intensiver gelebt wird als bei uns, sicher das westlichste Land Asiens ist. Aber diese Bemerkung soll wie Sie von meinem letzten Vortrag sicher behalten haben, keinesfalls eindimensional verstanden werden, denn die Inspiration der westlichen Kultur durch die japanische war mindestens ebenso intensiv.

Und das ist nicht allein auf den technischen Standard bezogen, wo Japan Maßstäbe setzte. Das ist auf das ganze moderne Leben bezogen. Ein sehr anschauliches Beispiel ist hier die Esskultur, wie sie in der raschen Verbreitung der Sushi Küche sowohl in Gestalt der Restaurants als auch im Privathaushalt ihren Ausdruck findet. Da sind die Comicfiguren, die sich großer Popularität erfreuen, besonders die Mangas, die in vielen Ländern Europas geradezu einen Hype auslösten. Comicartige Darstellungsformen finden Sie auch in der traditionellen japanischen Kunst wieder.

Sie entsprechen einem Bedürfnis nach wirkungsvoller Dekoration und wurden wohl schon im 19. Jahrhundert in Form von plakativen Darstellungen entwickelt. Hier in der Ausstellungen sind solche plakativen Vorbilder von Misao Fujii aufgegriffen, schwungvolle Linien, ästhetische Formen und wundervolle Farben. Die Komposition ist dabei sehr flächig aufgebaut. Die Perspektive entsteht durch die Überlagerung der unterschiedlichen Ebenen. Vor einem goldenen Hintergrund. Der Vorteil dabei ist, dass man solche Formen sehr gut drucken kann und das bildete für die aufkommende Werbegraphik des 19. Jahrhunderts gewissermaßen die Initialzündung.

Zeichnungen in dieser Art gelangten schon recht frühzeitig nach Europa. Vornehmlich in Frankreich wurden sie gesammelt und bildeten hier den Ausgangspunkt zu einem völlig neuen Verständnis von Kunst und Dekoration, das rasch seinen Ausdruck in zahlreichen neuen Kunstströmungen fand und auch das Kunsthandwerk – siehe Gallé in Nancy – befruchtete.

Die Geburt der Moderne, die Art Moderne, die Urmutter der Jugend- , Sezession- und Modernismo-Stilen, war sehr stark japanisch inspiriert, das hatte ich bereits bei meiner letzten Eröffnungsrede hervorgehoben. Der Einfluss des japanischen Farbholzschnittes, namentlich von Hiroshige und Hokosai, umspannt die gesamte Phase des Impressionismus und Spätimpressionismus.

Aber natürlich gibt es auch umgekehrt, eine Wechselwirkung, die die Kultur Europas auf das Land der aufgehenden Sonne ausübte. Yakiguchi Shuzo (1903-1979) gilt als einer der ersten japanische Surrealisten, der in den zwanziger Jahren mit den Pariser Surrealisten, namentlichmit André Breton, in engem Kontakt stand. Er veröffentlichte in den berühmten „Chariers d´Art“ und schrieb die erste japanische Biographie über Joan Miró.

In die Richtung des Surrealismus lassen sich hier in der Ausstellungen gleich mehrere Künstler einordnen. Sogar zu der Richtung hin, für die der katalanische Künstler Joan Miró wegweisend war, nämlich für den abstrakten Surrealismus. Gemeint ist hier Yoshitomo Hirooka, dessen Kompositionen aus dem Unterbewusstsein hervorzukommen scheinen. Sie entstehen, indem man die Augen schließt und die Bewegungen der Hand sich selbst überlässt, also die bewusste Steuerung weitestgehend ausschaltet.

Von einem figurativen Surrealismus geprägt sind zum einen die Arbeiten von Yoshinori Nozaki, die bereits bei der letzten Japanausstellung aufgefallen sind. Diese Arbeiten leben von der Spannung zwischen Weitwinkel und Fokus, eine Wechselbeziehung, wie sie nur in der Malerei darstellbar ist. Sehen Sie beispielsweise die bizarren Oberflächen der Muscheln, auf die der Künstler große Aufmerksamkeit legt. Er bettet sie in weite Landschaften ein, wie man sie an nördlichen Stränden, vornehmlich an der belgischen Küste erleben kann.

An Belgien erinnert dabei auch die Farbgebung und die Malweise, die hier längst nicht so wuchtig daherkommt wie bei René Magritte oder Paul Delvaux, eher subtil, zurückhaltend und dem Mikrokosmos zugewandt, der sehr geschickt in die weite Landschaft eingebracht ist und so eine in der Realität nicht vorhandene Bildwirklichkeit suggeriert. Achten Sie dabei vor allem auf die Schattenwirkung.

Spielerisch kommen die Objekästen von Moe Watanabe daher. Auch hier eine Anspielung auf den Surrealismus, der wertlose Objekte, Bruchstücke, vielleicht sogar Müll in der Kunst eine neue Existenz erleben lässt, wie die Dadaisten mit ihren „Objets Trouves“, die sie ebenso zu Skulpturen und Objekten zusammenbauten, um so die Phantasie des Betrachters zu füttern. Aber im Gegensatz zu diesen Nihilisten der Zwischenkriegszeit geht es Moe Watanabe scheinbar mehr um das erzählerische Interesse, das solch Dinge hergeben.

In dieses Genre passen auch die Holzmasken von Kazuma Ishida, die auf den ersten Blick wie Tanz- oder Theatermasken wirken, nicht zuletzt deswegen, weil sie durch ihre bizarre Mimik einen theatralischen Ausdruck erhalten, der den Betrachter stark berührt.

Sumiko Mizuno gibt einen Einblick in die bizarre Welt des Mikrokosmos. Wie bizarre Kleinlebewesen wirken ihre authentisch erscheinenden Mikroorganismen, nur unendlich vergrößert, sodass sie einen monumentalen Charakter annehmen. Auch die räumliche Situation wirkt unfassbar, eine durch ein Mikroskop gesehene Welt, die hinter der sichtbaren verborgen liegt. Kunst und Wissenschaft scheinen hier als verschwisterte Disziplinen.

Auch die bewusst kindlich gehaltenen Sujets von Nanayo Daimaru sind surrealistische Anspielungen auf eine Welt hinter der der Erscheinung. Die Puppen und Spielgeräte scheinen belebt, von einem geheimnisvollen Geist durchdrungen, der in den intensiven Farbtönen für den Betrachter erfahrbar wird. Die bewusst einfach gehaltene Formgebung und die zu Gunsten der Farbkraft aufgelösten Konturen verstärken diese intensive Wirkung noch.

Von der Eleganz des klassischen Stillleben geprägt sind dagegen die Bilder von Chiyoko Takiki, die sich wie Skulpturen aus den Bildern heraus entwickeln und sich in einem anmutigen Wechselspiel mit dem Hintergrund entfalten. Geheimnisvolle Räume entstehen hierbei. Bei diesen Arbeiten handelt es sich um Kunstdrucke, ein hochwertiges Druckverfahren. Die Auflagen sind signiert und limitiert.

Auch Hiroshi Yamazoe ist mit seinen Wasserlandschaften hier in Mannheim ein guter Bekannter. Bei seinen Bildern verschmelzen die Wasseroberflächen regelrecht mit den Wolken und ergeben dadurch farblich eine ansprechende Mischung von Tönen, die im Auge des Betrachters völlig neue Nuancen ergeben, die unwirklich erscheinen und stilistisch gesehen geradezu pointillistisch.

Die hohe Kultur der Wasserfarbenmalerei gehört ebenso zur Kunstlandschaft Japans wie die eingangs beschriebene comicartige Zeichnung. In Yoneichi Hosoda gibt es hier in der Ausstellung einen herausragenden Vertreter dieser Technik. Gekonnt ist dabei die Wechselwirkung zwischen Farbe und Papier ausgelotet, sodass luftige Räume entstehen, die keinesfalls leer wirken, sondern oszillierend und luftig. Auch die Farben wirken gedämpft im winterlichen Licht, sehr zurückhalten und melancholisch, also auf eine besonders einfühlsame, poetische Weise verfremdet, das heißt, wir haben es hier nicht mit den Lokalfarben zu tun, die möglichs nahe an das objektive Bild herankommen wollen, sondern vielmehr mit Stimmungsbildern, die sich hier vergegenständlicht haben.

Die Ausstellung wird abgerundet durch die ausdrucksstarken Metallskulpturen von Yuko Akiya, die in Mannheim auch schon eine Einzelausstellung in der Galerie Böhner hatte.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Gruppenausstellung der japanischen Künstler hier in der Mannheimer Galerie Böhner Anfang kommenden Jahres.

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